Das mittelalterliche Köln

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Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkungen

Historisch und kulturell umfasst die Stadtgeschichte der Rheinmetropole Köln - grob gegliedert - drei Epochen:

Das römische Köln
um 19 v. Chr. - um 455 n. Chr.

ab 50 n. Chr. Status einer Colonia
(Stadt römischen Rechts)

ab um 90 n. Chr. römische Provinzhauptstadt

zeitweise Kaiserresidenz

Das mittelalterliche Köln
um 455 - um 1500

um 460 - 8. Jhdt. Residenzstadt der Franken

bis 1288 Residenzstadt des Kurfürstentum Köln

ab 1288 de facto und
ab 1475 de jure Freie Reichsstadt

Das neuzeitliche Köln - Köln heute
nach um 1500

1794 - 1814 Stadt mit französischer Besatzung

1815 - 1918 preußische Festungsstadt

ab 1918 republikanische Stadt

aktuell größte Stadt in NRW und viertgrößte in der Bundesrepublik Deutschland


Entwicklung der mittelalterlichen Stadt

Köln mit seinen mittelalterlichen Bezeichnungen Coellen oder Coelln (am Rhein) bzw. lateinisch meist Colonia Agrippina (oder auch Agrippina Nobilis Romanorum Colonia) war im Mittelalter lange Zeit flächen- und einwohnermäßig die größte Stadt nördlich der Alpen und bis Ende des späten Mittelalters die Stadt mit den meisten Einwohnern im Römisch-deutschen Reich. Die Stadt war - verbunden mit Stapelrecht und Münzrecht - eine der bedeutendsten Städte Europas und eine einflussreiche europäische Metropole ... heute würde man sagen eine Weltstadt.

Die mittelalterliche Epoche Kölns lässt sich hinsichtlich ihrer politischen Entwicklung grob aufteilen in die Perioden

  • Frühmittelalterliches fränkisches Köln von Mitte 5. Jhdt. bis Mitte 10. Jhdt.
  • Kurfürstliches Köln von Mitte 10. Jhdt. bis Ende 13. Jhdt.
  • Köln als Freie Reichsstadt ab Ende 13. Jhdt. (1288) bis in die frühe Neuzeit (1794)

Das Mittelalter dauerte im "heiligen Köln" länger als anderswo und war im Grunde genommen erst 1794 mit Einzug der Franzosen zu Ende.

Im Hochmittelalter war Köln mit über 200 ha (nach der Stadterweiterung 1106) und ca. 400 ha (nach der Stadterweiterung 1180) bis zum Ende des Spätmittelalters flächenmäßig eine der größten Städte Europas und die größte Stadt im Römisch-deutschen Reich. Auch in der Einwohnerentwicklung stand Köln im Reich um 1180 mit 20.000 - 30.000 Einwohnern und Anfang des 13. Jhdt. mit ca. 40.000 Einwohnern an der Spitze. Um 1600 waren Köln und Prag (und Brüssel?) mit jeweils ca. 40.000 Einwohnern im Reich die größten Städte. Eine rasantere Einwohnerentwicklung hatte nördlich der Alpen Paris mit ca. 20.000 Einwohnern um 1000, ca. 110.000 Einwohner um 1200 und 200.000 Einwohner um 1500. Das zum Reich gehörende Antwerpen entwickelte sich von ca. 30.000 Einwohnern Ende des Mittelalters auf 200.000 Einwohnern um 1600.

Köln war im Mittelalter eine europäische Handelsmetropole, Kunstmetropole, Metropole der Kirchenprovinz Köln und Erzbischofssitz, Freie Reichsstadt und Pilgerstadt und bis zur berühmten Schlacht bei Worringen Sitz des Kurfürsten. Sie war "zentraler Umschlagplatz für Waren, Menschen und kulturelle Strömungen", "größte Handelsmetropole des deutschsprachigen Raums" und "mit 45.000 Einwohnern in der Epoche der Renaissance die größte Stadt im gesamten Reichsgebiet".[1] Das mittelalterliche Köln hatte das älteste Stadtsiegel Europas, das erste Rathaus und die erste bürgerliche Universität Deutschlands (gegründet 1388). Keine andere deutsche Stadt hat so früh - nämlich seit 1130 - und umfangreich ihre Geschichte schriftlich archiviert. 1130 begann man in Köln mit dem Schreinswesen, der mittelalterlichen Form der Archivierung von Liegenschaftsunterlagen. Mit Schreinen bezeichnete man die Truhen, in denen die ersten Archivalien aufbewahrt wurden. 1322 begann die systematische Archivierung. Das erste Archiv wurde 1409 im Rathausturm (Rentkammer) untergebracht.

Das vermutlich um 19 v. Chr. von den Römern als Ubiersiedlung gegründete und 50 n. Chr. mit den Stadtrechten einer römischen Colonia versehene römische Köln entwickelte sich nach Abzug der Römer, bei dem viele der Romanen in der Stadt geblieben waren, Mitte des 5. Jhdt. in einem nahtlosen Übergang in eine frühmittelalterliche fränkische Stadt. Die Stadt war um 455 von den ripuarischen Franken eingenommen worden und gehörte ab 507 zum Frankenreich der Merowinger und später der Karolinger. Mit der zum Ende der fränkischen Periode im 8. Jhdt. einsetzenden Transformation von einer antiken bzw. frühmittelalterlichen Stadt in eine mittelalterliche Stadt entstanden drei Stadterweiterungen:

  • spätestens um 940 erfolgte die Einbeziehung der Rheinvorstadt auf einer von einem ehemaligen Rheinarm abgetrennten Insel und Nutzung dieses verlandeten Rheinarms für Märkte (im Gebiet des heutigen Alter Markt und Heumarkt) mit einer Erweiterung auf 122 ha.
    Dieser Rheinarm verlandete ab Mitte des 2. Jhdt. allmählich und wurde aufgeschüttet (im Gelände um den heutigen Alter Markt/Heumarkt). Ein dort vorhandener Hafen musste verlegt werden. Spätestens um 940 ist dieses Gelände zur ersten urbanen Stadterweiterung des mittelalterlichen Köln genutzt worden. Nach neueren Ausgrabungsergebnissen dürfte diese Erweiterung jedoch schon in spätrömischer Zeit erfolgt oder zumindest begonnen worden sein (in der 2. Hälfte des 4. Jhdt. oder sogar schon zum Zeitpunkt des Baus der römischen Rheinbrücke um 310).
  • 1106 erfolgte die Einbeziehung der Ansiedlungen Niederich (im Norden), Westenich (im Westen) und Oversburg (im Süden), außerhalb der ehemals römischen Kernstadt gelegen, in die mittelalterliche Stadt mit einem Befestigungsring aus Gräben, Wällen und Torburgen und mit einer Erweiterung auf 223 ha (mit ca. 12.000 Einwohnern). Die Kölner Bürger hatten im Machtkampf um die Krone zwischen Kaiser Heinrich IV. und seinem Sohn Heinrich V. Partei für den erstgenannten ergriffen, worauf Heinrich IV. den Kölner Bürgern in diesem Zusammenhang das Befestigungsrecht erteilte.
  • 1180 erfolgte die Erweiterung auf das 401 ha große Gebiet (mit anfangs ca. 20.000 bis 30.000 Einwohnern und am Ende des Mittelalters 40.000 Einwohnern) innerhalb der neuen mittelalterlichen Stadtbefestigung mit einem 20 m breiten Graben und der großen - über 8 km langen - mittelalterlichen Stadtmauer (Einrichtung ab 1180, Torburgen ab nach 1200). Diese wurde ab dem 14. Jhdt. durch einen zweiten Graben und wegen der inzwischen weiter reichenden Artilleriegeschütze nach 1400 durch zusätzliche Wehranlagen (Bollwerke und Bastionen) vor der Mauer erweitert.

Einwohner- und Flächenentwicklung Kölns im Mittelalter bis zur frühen Neuzeit (mit noch mittelalterlichen Strukturen bis um 1794): [2]

  • römisches Köln: 20 000 (bis 40 000) (römische Blütezeit)/Fläche: 97 ha
  • um 940 (nach Abschluss der 1. mittelalterlichen Stadterweiterung): Fläche: 122 ha
  • 1106 (nach der 2. mittelalterlichen Stadterweiterung): ca. 12 000/Fläche: 223 ha
  • 1180 (nach der 3. mittelalterlichen Stadterweiterung): 20 000 - 30 .000/Fläche: 401 ha
  • ab 13. Jhdt.: um 40.000
  • 1500: um 40 000
  • 1670: 37 000
  • 1794 (mit Grenzen nach der französischen Besetzung): 44 500/Fläche: 770 ha
  • 1816 (nach Eingliederung in Preußen in 1815): 49 300

Die wirtschaftliche Blütezeit Kölns (vor allem als Handelsstadt) begann im 10. Jhdt. und hatte ihren Höhepunkt im 12. - 15. Jhdt.. Im 11. Jhdt. waren Mailand, Köln und Venedig die ersten großen Handelsstädte und waren hierbei auch Schaltstellen des kulturellen Austauschs. Zwischen 1000 und 1550 war Köln ferner eine Kunstmetropole von Rang mit der Produktion in diversen Kunstgattungen und einem kulturellen Austausch mit Paris, Prag, Niederlande und Italien. Vor allem von ca. 1350 bis 1550 hatte Köln eine künstlerisch ungewöhnlich fruchtbare Epoche mit der renommierten mittelalterlichen Kölner Malerschule (Altkölner Malerei), mit der in Köln eine eigene Ausprägung der Kunst geschaffen worden ist und mit der Köln hinsichtlich Qualität und Quantität der Gemälde eine Spitzenstellung eingenommen hatte. Hiermit ist wohl auch der heutige Ruf Kölns als Kulturmetropole begründet worden. Die Maler arbeiteten überwiegend in der Schildergasse, wo auch die Schildermaler ansässig waren, also in der Straße, die aus dem römischen Decumanus Maximus hervorgegangen und heute die Einkaufsmeile Nr. 1 in Deutschland ist. Der bekannteste Maler der Altkölner Malerei war Stefan Lochner, der in der Straße In der Höhle lebte und arbeitete, die durch das Treppenhaus des Wallraf-Richartz-Museum nachgebildet worden ist. Daneben ragten heraus der Meister der Heiligen Veronika und Bartholomäus Bruyn.

Im Hoch- und Spätmittelalter hatte Köln eine enorme wirtschaftliche und politische Machtstellung und war Drehscheibe des Fernhandels nördlich der Alpen. Hierbei wurde Köln durch die Lage am Rhein und im Zentrum von Fernstraßen begünstigt. Im 16. Jhdt. wurde dann Antwerpen zeitweise zur wichtigsten Handelsstadt Europas. Mit der Gründung der ersten Ordensschule auf deutschem Boden ("Studium Generale") 1248 durch Albertus Magnus und der 1388 gegründeten Universität zu Köln (eine der ältesten in Europa und die erste von der Bürgerschaft gegründete Universität Deutschlands) wurde Köln auch zu einem mittelalterlichen Zentrum der Wissenschaft. Die herausragenden Personen dieses Wissenschaftzentrum waren Albertus Magnus, Thomas von Aquin und Johannes Duns Scotus. Mit seiner einmaligen Sakrallandschaft und der unvergleichlich hohen Zahl an Reliquienschätzen wurde das mittelalterliche Köln zu einer bedeutenden Pilgerstadt.

Die mittelalterliche Glanzzeit der Freien Reichsstadt endete im Zusammenhang mit dem Zerfall der Hanse und der dem 30jährigen Krieg (1608 - 1648) folgenden Wirren. So kam es Ende 17. und im 18. Jhdt. zum vorübergehenden wirtschaftlichen Niedergang und Verfall der Reichsstadt. Und auch die Spitzenstellung hinsichtlich der Einwohnerzahl konnte nicht gehalten werden. Die großen glanzvollen Zeiten Kölns waren zu dieser Zeit nicht mehr zu erkennen.

Auch die Beurteilung der Besucher und unzähligen Pilger von Köln wechselte in dieser geschichtlichen Epoche. Karl der Große nannte die Stadt in seinem Testament "... eleganteste Braut Christi nach Rom." In ihrer Blütezeit wurde Köln in Reiseberichten als die "schönste Stadt im deutschen Lande" und außerdem wegen der unzähligen Kirchen und Kapellen und der bedeutenden Reliquien als das "Hillije (= Heilige) Coellen" gepriesen. Den Titel "Sancta" (= Heiliges ...) im Zusammenhang mit dem Stadtnamen war der Stadt im 12. Jhdt. als einer von 4 christlichen Metropolen (neben Rom, Byzanz und Jerusalem) verliehen worden ("Sancta Colonia Dei Gratia Romanae Ecclesiae Fidelis Filia" = Heiliges Köln von Gottes Gnaden, der römischen Kirche getreue Tochter). Zum mittelalterischen Köln schrieb der italienische Dichter, Gelehrte und Reisende Petrarca, der 1333 Köln besucht hatte: "Ich bewundere, wie groß im Barbarenland die Gesittung, wie schön der Anblick der Stadt, wie gesetzt die Haltung der Männer, wie schmuck das Gebaren der Frauen, wie überherrlich obschon unvollendet der Dom sind." Im 18. Jhdt. hingegen galt Köln bei vielen Besuchern als eine "abscheuliche Stadt".

In der langen Geschichte Kölns entwickelte sich auch der Name der Stadt weiter. Die Römer nannten das um 19. v. Chr. gegründete Oppidum Ubiorum mit der Verleihung des Status einer Stadt römischen Rechts fortan Colonia Claudia Ara Agrippinensium (abgekürzt: CCAA) und später offenbar nur noch Agrippina. Die nachfolgenden Franken nannten sie wohl schlicht Colonia. Hieraus entwickelten sich im Mittelalter die Bezeichnungen Coellen und Coeln (am Rhein) bzw. lateinisch Colonia Agrippina sowie in der Neuzeit Cöln und ab 1919 der heutige Namen Köln (mundartlich: Kölle).

Stadtmauer und Bauwerke

Südwest-Mauer am Sachsenring
Denkmal "Schlacht an der Ulrepforte" an der Südwest-Mauer

Die von um 1180 bis ca. 1260 erstellte mittelalterliche Stadtmauer war einschließlich der Rheinseite über 8 km lang [3]. Sie hatte Bestand bis 1881, nämlich bis im Zuge der Industrialisierung die Ausweitung auf das neuzeitliche Köln voranschritt. Die Stadtmauer war die größte mittelalterliche Stadtbefestigung nördlich der Alpen. Sie enthielt 12 große landseitige Torburgen und 52 Wehrtürme sowie etliche Pforten zum Rhein. Die Torburgen entstanden ab 1200. Die Zahl 12 für die Stadttore war übrigens von den Kölner Bürgern bewusst gewählt worden, um sich so als damaliges mittelalterliches "hillije Köln" auf das himmlische Jerusalem beziehen zu können. Vor der Mauer befand sich ein 20 m breiter Graben, der in der zweiten Hälfte des 14. Jhdt. um einen weiteren Graben ergänzt wurde. Aufgrund der waffentechnischen Entwicklung folgten im späten Mittelalter weitere Sicherungsbauwerke vor der Mauer: Mitte des 15. Jhdt. entstanden vorgelagerte Wehranlagen (Bollwerke mit Zwinger zwischen Torburgen und Bollwerken) und im 17. Jhdt. ein bastionärer Ring mit 25 pfeilförmigen Bastionen, die mittels sogenannten Kurtinen verbunden waren. Zuletzt wurden die Vorfeldeinrichtungen um 1820 von den Preußen, denen 1815 das Rheinland und Köln zugeteilt worden war, militärisch modernisiert.

Die ursprünglich römische Hauptstraße durch die römischen Stadt (die heutige Hohe Straße) und deren Verlängerungen führte nun durch neue Stadttore im Norden und Süden (Eigelsteintorburg und Severinstorburg). Die Stadtmauer wurde nachts zuerst von Vertretern der Zünfte, später von den Kölner Stadtsoldaten bewacht. Ihren eigentlichen Zweck, eine Einnahme der Freien Reichsstadt zu verhindern, musste sie zum Glück nie ernsthaft erfüllen, denn die Reichsstadt Köln wurde - nach Wissen des Autors als einzige Stadt des Reichs - niemals erobert und besetzt. Auch im verheerenden 30-jährigen Krieg ist Köln nie angegriffen und eingenommen, die Mauer nicht erstürmt worden. Wer innerhalb der Stadtmauer wohnte, genoss die speziellen Rechte und Freiheiten der Stadt. Leider beschlossen dann die Kölner 1881 im Zuge der Ausweitung der mittelalterlichen Stadt den Abriss der Mauer - aus heutiger Sicht ein kultureller Frevel ohnegleichen und übrigens entgegen dem Rat von Sachverständigen aus Nürnberg, die ihrerseits ihre Mauer stehen ließen -. In dieser anderen mittelalterlichen Metropole Nürnberg haben die Bürger diesen Frevel verhindert. Überzeugen Sie sich dort über den kulturellen Gewinn! Die Preußen, zu deren Gebiet Köln seit 1815 gehörte, sorgten dafür, dass wenigstens einige Stadttore erhalten geblieben sind!

Die mittelalterliche Stadtmauer umfasste das mittelalterliche Köln mit

  • seiner östlichen Grenze am Rhein und
  • seiner übrigen halbkreisförmigen Grenze im Verlauf der heutigen Ringe,

das heißt sie umfasste die heutige Kölner Altstadt ("Altstadt" hier als kommunaler Begriff gemeint; im heutigen Sprachgebrauch wird als Altstadt zumeist das Vergnügungsgebiet um Heumarkt / Alter Markt / Rheingarten verstanden). Der Verlauf der großen mittelalterlichen Stadtmauer ist also in der Trasse der heutigen kölntypischen halbkreisförmigen Ringstraße vom Ubierring als südliches Ende am Rhein bis zum Theodor-Heuss-Ring als nördliches Ende am Rhein noch zu erkennen. Die vorherige römische Stadtmauer umfasste das römische Köln und damit das Kerngebiet der späteren mittelalterlichen Stadt. Das römische Straßennetz und der Verlauf der späteren mittelalterlichen Mauer prägen noch heute die Struktur der Kölner Innenstadt.

Von dieser mittelalterlichen Stadtmauer sind als Kultur-Denkmäler im Stadtbild erhalten:

  • das Eigelsteintor im Norden (Ebertplatz) und das Severinstor im Süden (Chlodwigplatz), durch die die Nachfolgestraße des früheren römischen Cardo Maximus (der Nord-Süd-Achse durch das römische Köln) durchführte.
  • die Hahnentor im Westen (Rudolfplatz), das dem Vernehmen nach aus historischen Gründen erhalten blieb, weil im Mittelalter durch dieses Tor die in Aachen gekrönten Könige zum Besuch der Reliquien der Heiligen drei Könige im Dom in Köln eingezogen waren.
  • der Bayenturm an der Süd-Ost-Ecke der Mauer am Rhein (in Nähe des heutigen Rheinauhafens).
  • die Bottmühle (Mühle auf einem stadtseitigen Wehrplateau ("Bott") in der Mauer) im südlichen Mauerabschnitt.
  • die Ulrepforte (mit Mühlenaufbau aus dem 15. Jhdt., umgebaut im 19. Jhdt.) im Südwesten
  • Wehrtürme und ein Mauerabschnitt in Nähe der Ulrepforte am Sachsenring.
  • ein Grabenfangteil im Westen in Nähe Friesenplatz) (ausgegraben in einer Tiefgarage).
  • ein Mauerabschnitt und die Gereonsmühle (Mühlenaufbau auf einem Wehrturm) am heutigen Gereonswall im Nordwesten.
  • das Kunibertstürmchen ("Weckschnapp") am nördlichen Ende der Mauer am Rhein.

> Diese Denkmäler sind größtenteils in gut restauriertem Zustand, einige werden aber auch vernachlässigt und nicht angemessen gepflegt. Sie werden größtenteils den Kölner Bürgern und den vielen Besuchern der Stadt nicht angemessen präsentiert. Siehe hierzu Mängelliste Kölner Denkmäler [[1]].

Kirchen

Rathaus, Renaissance-Laube
Rathaus, Turm

In der mittelalterlichen Blütezeit entstanden neben der Stadtmauer an historischen Bauten insbesondere ein Ensemble von 12 bedeutenden Romanischen Kirchen (10. bis 13. Jahrhundert), die zusammen mit dem Beginn des gotischen Dom die Bedeutung Kölns als Kulturstadt entscheidend mit prägen, sowie der Gürzenich (mittelalterliches Festhaus), das Rathaus (mit Turm und Renaissance-Laube), das Overstolzenhaus und andere Gebäude. Die Grundsteinlegung des Doms, dem Wahrzeichen Kölns, war 1248. Halbfertig wurde der Bau 1530 eingestellt.

Die 12 Romanischen Kirchen waren im Mittelalter mit einer Ausnahme Kloster- oder Stiftskirchen. Daneben sind einige der mittelalterlichen Pfarrkirchen erhalten, die bis 1802 in unterschiedlicher Weise von den Stiften/Klöstern abhängig waren (Köln hatte im Mittelalter mit 19 eine ungewöhnlich große Anzahl Pfarreien!). Die erste jüdische Synagoge wird auf das 9. Jhdt. datiert. Die Juden hatten seit Anfang des 4. Jhdt. in Köln die größte jüdische Gemeinde in Deutschland. Köln war im 13./14. Jhdt. geistiges Zentrum des deutschen Judentums, bis sie 1424 aus Köln vertrieben wurden.

Von der Residenz der Erzbischöfe, die seit 953 zugleich Kurfürsten von Kurköln und bis 1288 weltliche Herrscher von Köln waren, fehlt bis auf wenige - nicht zugängliche - Mauerteile jede Spur. Der erste Palast aus vermutlich dem 9. Jhdt. lag an der Südseite des alten karolingischen Doms. Um 1164 wurde ein neuer Palast an der Südseite des Domhofs errichtet. Nach der Schlacht bei Worringen 1288, nach der der Fürstbischof aus Köln vertrieben worden war, wurden die späteren großen Residenzen in Bonn und Brühl gebaut.

Die Handelsstadt

Das mittelalterliche Köln hatte das Privileg, einerseits aus den Traditionen einer Römerstadt und einem Bischofssitz (seit Anfang 4. Jhdt., seit 795 Erzbischofssitz) hervorgegangen zu sein, andererseits aufgrund seiner hervorragenden Verkehrs-Infrastruktur (insbesondere der Lage an einem großen Strom und im Zentrum von Fernstraßen) eine hervorragende Lage für den Fernhandel zu haben. Köln hatte also Merkmale aufzuweisen, aus denen sich - vor allem nach der Zuteilung des Herzogtums Lothringen (mit Köln) zum Ostfrankenreich im 9. Jhdt. und in Verbindung mit dem Stapelrecht (s. unten) - im Hoch- und Spät-Mittelalter die große wirtschaftliche Bedeutung als Handelsstadt ergab. In dieser Epoche hatte Köln eine enorme wirtschaftliche und politische Machtstellung und war Drehscheibe des Fernhandels nördlich der Alpen. Die hervorragende Verkehrs-Infrastruktur hat sich bis in's heutige moderne Köln erhalten. Köln war aber nicht nur Handelszentrum, sondern auch Produktionszentrum und handelte mit Alltagsgütern und Kunstschätzen. "Kölsch" oder "Kölnisch" wurde zu einem Markenbegriff (Zitat Museum Schnütgen, Ausstellung "Glanz und Größe des Mittelalters").

Im Mittelalter wurden die vom Meer über den Rhein herangebrachten Waren vom Schiffstyp Niederländer (geeignet für die große Wassertiefe des Niederrheins) auf die Oberländer (geeignet für die geringere Wassertiefe des Mittel- und Oberrheins) umgeladen. Für den Handelsplatz Köln hatte das der Stadt 1259 vom Erzbischof Konrad von Hochstaden verliehene Stapelrecht eine sehr große Bedeutung, denn damit mussten fortan alle, insbesondere auf dem Transportweg Rhein, aber auch auf dem Landweg transportierten Waren in Köln zwangsweise abgeladen („gestapelt") und anboten werden. Die Durchfahrt der Schiffe wurde durch ein Gitter im Rhein unterbunden. Köln und die Kölner Kaufleute hatten auf diese Waren das Umschlags- und ein 3-tägiges Erstzugriffsrecht. Damit wurde die Stellung der Stadt als Drehscheibe der europäischen Warenströme gefestigt. Das Stapelrecht wurde erst 1831 von den Preußen als Folge der Beschlüsse auf dem Wiener Kongress (1815) aufgehoben.

Köln hatte im Mittelalter ferner eine eigene Längenmaßeinheit (Kölner Elle) und ab dem 12. Jhdt. eine eigene Gewichtsmaßeinheit (Kölner Mark). Die Kölner Mark war im Mittelalter die wichtigste deutsche Grundgewichtseinheit und wurde 1524 als Grundgewicht für die Münzprägung im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation festgelegt. Bis 1857 bezogen sich die Reichs- und viele Landesmünzordnungen auf die Kölner Mark.

Politische Entwicklung

  • Frühmittelalterliches fränkisches Köln von Mitte 5. Jhdt. bis Mitte 10. Jhdt.

Im Zuge der fortschreitenden Zerfalls des Weströmischen Reiches zogen die Römer nach 400 aus Germanien ab. Köln wurde um 455 von den Franken besetzt und ab ca. 460 Residenzstadt des fränkischen Teilkönigreiches der ripuarischen Franken (Rheinfranken) (1. König ab um 460/470: Sigibert von Köln). Viele der Romanen (= Nachfolger der provinzionalen römischen Bürger) blieben aber hier wohnen. Die Franken behielten die römischen Verwaltungsstrukturen und auch Latein als Amtssprache bei. Die heutigen Kölner sind also - ethnisch gesehen - fränkischen Ursprungs mit großen Anteilen römischen Bluts. 507 fiel dieses fränkische Teilreich an das 482 durch Chlodwig I begründete vereinigte Frankenreich der Merowinger (Chlodwig soll in Köln als Herrscher aller Franken ausgerufen worden sein). Die Stadt erlebte als eine der ganz wenigen hiesigen römischen Städte einen nahtlosen Übergang von der antiken Stadt (siehe auch Das römische Köln) in eine frühmittelalterliche Stadt und ein frühmittelalterliches Handels- und kirchliches Zentrum. Mit dieser Kontinuität aller Strukturen in Köln unterscheidet sich die Stadt von fast allen anderen vergleichbaren deutschen Römerstädten inkl. Trier als Provinzhauptstadt Galliens und zeitweise spätrömische kaiserliche Residenzstadt und Mainz als eine der zwei Provinzhauptstädte Germaniens. Mit dieser Kontinuität begründet sich vermutlich auch der spätere Aufstieg des Mittelalterlichen Köln zu einer der mittelalterlichen Metropolen im Römisch-deutschen Reich und in Europa.

Bei der Teilung des Frankenreichs nach dem Tod Chlodwig I (511) fiel Köln an Austrien und gehörte später zum Frankenreich der Karolinger (zuletzt ab 870 bis 911 zum Ostfränkischen Reich der Karolinger). Mit dem Ende der Karolinger endete im 8. Jhdt. aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Residenzfunktion von Köln. Ab 925 gehörte Köln mit dem Herzogtum Lothringen - nach einer kurzen Unterbrechung von 911-925 - wieder zum Ostfränkischen Reich unter König Heinrich I . Köln wird damit quasi deutsch. Es beginnt der Aufstieg Kölns zur Handelsmetropole. Das Ostfränkische Reich war Vorläufer des späteren Römisch-deutschen Reichs (ab 962 neues "Römisches Reich", ab 13. Jhdt. "Heiliges Römisches Reich" und ab 15. Jhdt. - offiziell ab 1512/Reichstag in Köln - "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation"). Das Kaiserreich begann 962 mit der Krönung des deutschen Königs Otto I. zum Kaiser durch den Papst in Rom und endete 1806 mit der Abdankung des letzten Kaisers Franz II 1806 nach einer vorherigen Niederlage gegen die Truppen Napoleons. Das Reich war kein Staat im heutigen Verständnis, sondern eher ein Verbund aus Herzogtümern, Fürstentümern, Grafschaften und Reichsstädten sowie zeitweise angegliederten Königreichen mit dem Kaiser an der Spitze. Entscheidungen trafen Reichstage und der Kaiser.

Die erste christliche Gemeinde in Köln wird für das 2./3. Jhdt. vermutet. Um 313 ist Maternus als erster Bischof Kölns nachgewiesen (verbriefte Teilnahme an den Synoden 313 in Rom und 314 in Arles). Das Bistum Köln wurde 795 durch den Karolinger-König Karl den Großen (ab 800 Kaiser) zum Erzbistum erhoben.

In die frühmittelalterliches Periode fällt auch die Gründung der ältesten jüdischen Gemeinde nördlich der Alpen. Ein Erlass des römischen Kaisers Konstantin I von 321 mit der Erlaubnis, Juden in den Stadtrat aufzunehmen, gilt als Beleg für die Gründung dieser ältesten jüdischen Gemeinde im 3./4. Jhdt. in Köln. Die erste jüdische Synagoge Kölns wurde vermutlich in der Karolingerzeit (ca. 8. Jhdt., vor 780) errichtet; sie wäre die älteste nördlich der Alpen. Nach neueren Ausgrabungsergebnissen gab es womöglich sogar noch früher (4. Jhdt.) eine Synagoge in Köln. Die spätere Synagoge inmitten des Judenviertels (ab um 1000) wurde 1349 beim Judenpogrom zerstört und 1372 wieder in Betrieb genommen. Nach der Vertreibung der Juden 1424 wurde sie 1426 in die christliche Ratskapelle "St. Maria in Jerusalem" umgewandelt.

  • Kurfürstliches Köln von Mitte 10. Jhdt. bis Ende 13. Jhdt.

795 wurde das Kölner Bistum zum Erzbistum erhoben. Unter dem Erzbischof Bruno I begann 953 der politische Aufstieg. Bruno wurde Erzbischof und zugleich Herzog von Lothringen und damit erster Stadtherr Kölns. Er war als erster geistliches und weltliches Oberhaupt mit einer praktisch absolutistischen Herrschaftsgewalt. Er war auch der erste Fürstbischof Deutschlands. Die Nachfolger Brunos behielten Teile des Herzogtums und waren zugleich Erzbischof und Kurfürst des Kürfürstentums Köln (Erzstift Köln/Kurköln). Dem Kölner Fürstbischof oblag seit dem 11. Jahrhundert (1028) das alleinige Krönungsrecht für die deutschen Könige. Er war ab 1031 auf Dauer zugleich Erzkanzler für Reichs-Italien im Römisch-deutschen Kaiserreich. Der Kölner Fürstbischof war zu jener Zeit einer der mächtigsten Männer im Reich. Ab dem 13. Jhdt. (bis 1803) gehörte er zu den 7 bedeutendsten Kurfürsten, die den römisch-deutschen König (mit der Anwartschaft auf das römisch-deutsche Kaisertum) küren durften. Nach einem Abkommen von 1657 erhielt zusätzlich der Mainzer Fürstbischof das Krönungsrecht. Seit dem 11. Jhdt. hatte der Fürstbischof auch das Münzrecht für sein Fürstentum. 1474 allerdings erhielt die Stadt Köln ihr eigenes Münzrecht und konnte eigene Münzen prägen. Ein Höhepunkt dieser Machtphase fiel in die Amtszeit des Kölner Fürstbischof Konrad von Hochstaden (1238 - 1261), in dessen Amtszeit die Grundsteinlegung für den Kölner Dom fiel. Und auch die kirchliche Bedeutung des Erzbistums Köln war bedeutend. Zur Kirchenprovinz Köln gehörte im Mittelalter ein riesiges Gebiet mit dem Metropolitan- (Erz-) Bistum Köln und den Suffragan-Bistümern Lüttich (bis 1559), Utrecht (bis 1559), Münster, Osnabrück (bis 1995), Minden (bis um 1648) und Bremen (bis 848/870).

1074 rebellierten die Kölner erstmals - allerdings noch erfolglos - gegen die weltliche Macht des Erzbischofs. 1106 nahmen die Kölner Bürger im Machtkampf um die Krone zwischen Heinrich IV. und Heinrich V. Partei für den erstgenannten ein und organisierten erstmals eine Art Bürger-Selbstbestimmung. Heinrich IV verlieh den Kölner Bürgern in diesem Zusammenhang das Befestigungsrecht - ein wichtiger erster Schritt zur Entwicklung der Stadt hin zur Freien Reichsstadt -, allerdings verblieb die formale Befestigungshoheit noch beim Erzbischof und weltlichen Herrscher. 1262 begehrten die Kölner Patrizier bei der Erstürmung des Bayenturms erneut gegen den Erzbischof auf, der 1268 aus der Stadt vertrieben wurde. Ein Versuch der Rückkehr scheiterte am 14. Oktober 1268 bei der Schlacht an der Ulrepforte.

  • Köln als Freie Reichsstadt ab Ende 13. Jhdt. (1288) bis in die frühe Neuzeit (1794)

Diese von der der absolutistischen Herrschaftsgewalt des Kurfürsten befreite Periode lässt sich in folgende Teil-Perioden aufteilen:

  • Köln als mittelalterliche Stadt mit Herrschaft der Geschlechter (1288 bis 1396)
  • Köln als mittelalterliche Stadt mit Herrschaft der Bürger (1396 bis um 1500)
  • Köln als Stadt zwischen Mittelalter und Neuzeit mit Herrschaft der Bürger (um 1500 bis 1794)

Das Hauptmerkmal der "Reichsstädte" im Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation) war deren rechtliche Unabhängigkeit gegenüber den regionalen Herrschern (Reichsfürsten). Die Reichsstädte hatten den Status der Reichsunmittelbarkeit und waren direkt und nur dem Kaiser untertan, an den sie ihre Steuern direkt abführten, dem sie Heerfolge zu leisten hatten und von dem sie eine eigene weitgehend unabhängige Gerichtsbarkeit erhielten. Damit unterschieden sich die Reichsstädte von den Landstädten, die einem Landesherrn untertan waren. "Freie Städte" waren Bischofsstädte, die in etwa die gleichen Privilegien hatten wie die Reichsstädte, aber gegenüber dem Kaiser eine gewisse Autonomie besaßen, z. B. außer bei Kreuzzügen keine Heerfolge zu leisten hatten. Ab dem 15. Jhdt. wurde diese beiden Statusformen unter dem Begriff "Freie und Reichsstädte" - umgangssprachlich "Freie Reichsstädte" genannt - zusammengefasst.

Köln als mittelalterliche Stadt mit Herrschaft der Geschlechter (1288 bis 1396)

Nach mehreren Auseinandersetzungen mit dem Kurfürsten kam es am 05.06.1288 schließlich zur berühmten und für die Kölner Bürger und die weitere Entwicklung der mittelalterlichen Metropole ungemein bedeutsamen Schlacht bei Worringen (heute nördlicher Randstadtteil Köln-Worringen), eine der größten deutschen Ritterschlachten des Mittelalters. Die Kölner Bürger kämpften im Limburger Erbfolgestreit, von dem Köln eigentlich gar nicht betroffen war, mit den Truppen des Herzogs Johann von Brabant und seiner Verbündeten (neben den Kölner Bürgern insbesondere die Grafen von Berg, Mark und Jülich) gegen den Grafen Heinrich von Luxemburg und seine Verbündeten (insbes. die Truppen des Kölner Erzbischofs/Kurfürsten Siegfried von Westerburg und des Grafen Rainald von Geldern). Es ging dabei auch um die Vorherrschaft am Niederrhein. Die Brabanter Koalition gewann! Der Kölner Fürstbischof verlor nach dieser Niederlage seine weltliche Herrschaft über die Stadt Köln und auch seine Burg in Worringen. Er und seine Nachfolger mussten die Kölner Residenz aufgeben und sie für den Rest von Kurköln außerhalb des Stadtgebiets neu anlegen. Sie residierten fortan bevorzugt in Bonn - 1597 urkundlich als "Haupt- und Residenzstadt" erwähnt - und in Brühl. In Köln behielt er nur die geistliche Macht. Köln war damit de facto Freie Reichsstadt (ab 1475 dann auch de jure), wobei die Fürstbischöfe dies nie formal anerkannt haben. Übrigens: Von Düsseldorf sprach damals noch kaum einer. Düsseldorf, damals ein kleines Dorf, erhielt 1288 als eine der Auswirkungen des Siegs der Kölner Bürger an der Seite des Herzogs von Brabant und seiner Verbündeten bei der Schlacht bei Worringen vom Grafen Adolf von Berg sein Stadtrecht verliehen, der damit seine Position am Rhein stärken wollte.

Die weltliche Macht in Köln wurde ab 1288 zunächst von den Patriziern, den sog. Geschlechtern, ausgeübt. Es handelte sich also um eine Oligarchie (= Herrschaft von kleinen reichen Führungsgruppen, hier: der Familien des Kölner Stadtadels). Die entstehenden neuen Führungsorgane der Stadt wurden von den Vertretern der wichtigsten Patrizierfamilien dominiert. Die "Riecherzeche", ein Verbund der Reichen, war ein Vorläufer eines gewählten städtischen Rats. Eine der mächtigsten Patrizierfamlien in jener Zeit waren die Overstolzen.

Köln als mittelalterliche Stadt mit Herrschaft der Bürger (1396 bis um 1500)

Um 1400 kam es zu einer grundlegenden Änderung der politischen Machtverhältnisse in Köln. Nach mehreren innerstädtischen Konflikten übernahmen ab 1396 auf der Basis des sog. "Verbundbrief", der ersten Kölner Stadt-Verfassung, die wahlberechtigten Bürger der Stadt, die in 22 Gaffeln organisiert waren, die Macht. Zu den 22 Gaffeln gehörten die Gaffeln der Kaufleute, eine Art Berufsgenossenschafft und Wahlgemeinschaft, und die Handwerkerzünfte, die sog. "Ämter". Die Macht lag nunmehr im wesentlichen beim neuen einheitlichen Stadtrat, für den allerdings nur die in Köln geborenen Bürger und solche Zugereiste, die das Bürgerrecht erworben hatten, wählbar waren. Wahlberechtigte "Vollbürger" im Sinne des Verbundbriefs waren nur die in den 22 Gaffeln organisierten selbständigen Kaufleute und Handwerker (in der Regel auch nur männliche!), so dass die oligarchische Herrschaft der Geschlechter in eine - allerdings wesentlich breiter aufgestellte - Herrschaft der Gaffeln wechselte. Mit ihren Siegeln unter dem Verbundbrief verbürgten sich die Gaffeln für die Einhaltung der Regelungen des Verbundbriefes.

1414 wurden im Rathaus 8 gotische Holzskulpturen ausgestellt ("Die Kölner Rathaus-Propheten"), die mit Spruchbändern zur politischen Moral den Ratsmitgliedern ihre Verantwortung gegenüber Stadt und Bürgern ständig vor Augen führen sollten. Genutzt hat es wohl nicht immer. Die "Vorgaben der Propheten" an die Ratsherren lauteten z. B.: "Das gemeine Beste ist dem persönlichen immer vorzuziehen", "Nimm langsam Rat an, dann eil' zur Tat" und "Wer für die Gemeinschaft stirbt, soll ewig leben".

Der Verbundbrief blieb mit einigen Modifizierungen bis 1796, also 400 Jahre lang, als Kölner Verfassung gültig. Am 19.09.1475 erhob Kaiser Friedrich III. Köln mit dem Reichsstadtprivileg nun auch de jure zur Freien Reichsstadt ("des heiligen Reiches freie Stadt"); dieser Status blieb in der frühen Neuzeit bis zur Besetzung durch die Franzosen 1794 unangetastet. .

Köln als Stadt zwischen Mittelalter und Neuzeit mit Herrschaft der Bürger (um 1500 bis 1794)

In der frühen Neuzeit nach 1500 blieben in Köln die mittelalterlichen Strukturen mit der Bürger-Herrschaft auf der Basis des Verbundsbriefs weitgehendst erhalten. Der Grund hierfür könnte sein, dass die nie überwundene und wohl uneinnehmbare große Stadtmauer die Kölner einerseits abgesichert hat, andererseits aber auch vor neueren Entwicklungen abgeschottet haben könnte. Die mittelalterliche Glanzzeit der Freien Reichsstadt endete allmählich nach 1500 insbes. im Zusammenhang mit dem Zerfall der Hanse und der dem 30jährigen Krieg (1608 -1648) folgenden Wirren, wobei Köln im 30-jährigen Krieg nie ernsthaft bedroht oder gar eingenommen worden ist. Aber es kam Ende 17. und im 18. Jhdt. zum vorübergehenden wirtschaftlichen Niedergang und Verfall der Reichsstadt - womöglich ein weiterer Grund für den Erhalt der mittelalterlichen Strukturen -. Der Abschied vom Mittelalter dauerte im "heiligen Köln" jedenfalls länger als anderswo und war im Grunde genommen erst 1794 mit Einzug der Franzosen zu Ende.

Allerdings blieb es in diesem Zeitraum nicht friedlich in Köln. So gab es 1481/1482 einen Aufruhr der Gaffeln gegen den Stadtrat wegen erheblicher Preiserhöhungen, der jedoch niedergeschlagen wurde. 1512/1513 gab es einen erfolgreichen Aufstand der Gaffeln wegen fortgesetzter Rechtsbrüche des Rats. Kleine Gruppen sprachen sich ab - heute würde man sagen "klüngelten" - und beeinflussten so die Entscheidungen des Rats. Dies führte 1513 zu einer Ergänzung des Verbundbriefs, dem sog. Transfix-Brief. Anfang der 1680iger Jahre gab es einen Aufstand einer Opposition unter Führung des Nikolaus Gülich wegen Misswirtschaft und Korruption des Rates, der zunächst viel Unterstüzung fand, letztendlich aber 1686 mit der Ermordung des Nikolaus Gülich endete.

Im 16 Jhdt. gab es auch in Köln Reformationsversuche. So kam es zum Konfessionswechsel des Kölner Erzbischofes und Kurfürsten Gebhard Truchsess von Waldburg, der das Kurfürstentum Köln (Kurköln), dem die Stadt Köln ja nicht mehr zugehörte, in ein weltliches Fürstentum verwandeln wollte. Die Folge war ein wichtiges Ereignis in der frühen Neuzeit der Kölnische Krieg (Truchsessische Krieg) (1583 - 1588) zwischen Truppen des zum Protestantentum gewechselten und deshalb 1583 abgesetzten Kölner Kurfürsten Gebhardt Truchsess von Waldburg mit den in diesem Krieg siegreichen katholischen bayerisch-spanischen Truppen seines Nachfolgers Ernst von Bayern. Hierbei kam es im Juli 1586 zu einem greulichen Gemetzel der spanischen Truppen gegen Privatleute im heutigen Stadtteil Köln-Junkerdorf. Der Sieg der katholischen Truppen verhinderte die Verwandlung von Kurköln in ein erbliches protestantisches Fürstentum. Der Nordwesten des Reiches blieb katholisch!

Schließlich wurde die Stadt Köln 1794 ohne Gegenwehr von den französichen Truppen Napoleons eingenommen und verlor damit ihren formal seit 1475 im mittelalterlichen Köln geltenden Status als Freie Reichsstadt. Die Franzosen besetzten das linksrheinische Gebiet des Rheinlandes und damit auch die Stadt Köln, wobei zu beachten ist, dass die heutigen rechtsrheinischen Gebiete Kölns erst ab 1888 mit den neuzeitlichen Stadterweiterungen eingemeindet wurden (siehe Das neuzeitliche Köln). Das Mittelalter in Köln war endgültig beendet. Der Verbundbrief, die Kölner Stadtverfassung, wurde 1796 - also nach 400 Jahren - durch die französische Munizipalverfassung abgelöst.

  • Mittelalterliche Herrschaftsstrukturen in Köln zusammengefasst
  • 953 - 1288 absolutistische Herrschaftsgewalt der Erzbischöfe als geistliches und zugleich weltliches Oberhaupt (ab um 1200 mit Organen der Bürgerschaft)
  • 1288 - 1396 oligarchische Herrschaft der Geschlechter (einige Patrizierfamilien) in einer de facto Freien Reichsstadt
  • 1396 - 1794 Herrschaft der Bürger (Herrschaft der in den Gaffeln organisierten Kaufleute und Zünfte) auf der Basis des Verbundbriefes von 1396 (ab 1475 auch de jure in der Freien Reichsstadt Köln), die erst mit der Besetzung durch die Franzosen endete
Politische Zugehörigkeiten Kölns in seiner Geschichte

2000 Jahre Köln im Überblick

  • 19 v. Chr. bis spätestens um 455 n. Chr.: antikes Römisches Imperium (ab 50 n. Chr. in dem Rang einer Colonia).
  • um 455 bis 962: fränkische Reiche.
  • 962 bis 1794: neues Römisch-deutsches Kaiserreich/ab 15. Jhdt. Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation (ab Mitte des 10. Jhdt. innerhalb des Kurfürstentums Köln (Kurköln), ab 1288 de facto und ab 1475 de jure als Freie Reichsstadt).
  • 1794 bis 1815 nach der Besetzung durch die Franzosen: Französisches Reich (offizielle Eingliederung: 1801).
  • 1815 bis 1871: Königreich Preußen (bis 1866 im Deutschen Bund).
  • 1871 bis 1918: Königreich Preußen (im Deutschen Kaiserreich).
  • ab 1918: deutsche Republiken (seit 1949 Bundesrepublik Deutschland/Bundesland Nordrhein-Westfalen).

Das Kurfürstentum Köln existierte von Mitte des 10. Jhdt. bis 1803 (ab 1475 aber ohne das Stadtgebiet Kölns). Ein Hinweis für engagierte Kölner im modernen Wettstreit mit der rheinischen Nachbarstadt: Ein Nebenergebnis der Schlacht von Worringen war, dass der mitsiegreiche Graf von Berg 1288 dem damals noch kleinen unbedeutenden Anwesen Düsseldorf die Stadtrechte verlieh, anders gesagt dass die mitsiegreichen Kölner Bürger indirekt an der Gründung Düsseldorfs beteiligt waren.

Die Pilgerstadt

Von großer religiöser und zugleich wirtschaftlicher Bedeutung war, dass Köln mit 500.000 Pilgern pro Jahr zusammen mit Rom und dem nordspanischen Santiago de Compostella eine der 3 bedeutendsten Pilgerstädte in jener Zeit war und dabei auch als einer der zentralen Sammelpunkte der Pilgerwege zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostella ("Jakobsweg") fungierte. Das mittelalterliche "hillije Köln" war aufgrund

Dreikünnije-Pötzje
Dreikönigenschrein im Kölner Dom
  • seiner sehr vielen zum Teil einzigartigen Kirchen und Kapellen (um 1500 sollen es mehr als 300 gewesen sein; in einem mittelalterlichen Reisebericht hieß es: "... soviel wie das Jahr Tage hat"; Zitat Förderverein Romanische Kirchen /Nov. 2010: "Bis zum Umbruch im 19. Jhdt. gab es 168 öffentliche Kirchen und Kapellen und fast ebensoviel private und Kloster-Kapellen."),
  • der in Deutschland mit Abstand größten Zahl an Pfarrbezirken (19) und
  • vor allem seiner unvergleichlich hohen Zahl an Reliquienschätzen mit unter anderem den Gebeinen der Heiligen Drei Könige, den 1121 gefundenen und seitdem verehrten Reliquien des Hl. Gereon und seiner Gefährten sowie den im 12. Jhdt. gefundenen Gebeinen der legendären Heiligen Ursula und ihrer laut der Legende 11.000 Begleiterinnen.

und der damit verbundenen religiösen Bedeutung ein großer Anziehungspunkt für die Pilger. Pilger aus ganz Europa suchten vor allem die "Spitzen-Reliquien" als Heiligtümer auf. Der mittelalterliche Reliquienschatz Kölns in Kirchen und Kapellen soll mehr als 800 Heilige enthalten haben und war nach Rom der größte aller europäischen Wallfahrtsorte. Vor allem die Reliquien der Heiligen Drei Könige gehörten für unzählige einfache Pilger und auch für die europäischen gekrönten Häupter und Fürsten zum Pflichtprogramm. Die Könige und Fürsten hatten wohl über die damals an der Ostseite des Doms gelegene Kirche St. Maria ad gradus (Baubeginn vor 1075) den Dom betreten bzw. verlassen. Eine Art Pilgerweg war auch die sogenannte Krönungsstraße von Aachen nach Köln (innerhalb Kölns die heutige Aachener Straße), über die im Mittelalter die im Aachener Dom gekrönten deutschen Könige nach Köln zu den Reliquien der Heiligen Drei Könige pilgerten. Die unerschöpfliche Quelle der Ursula-Reliquien führte außerdem im Hoch-Mittelalter zu einem beträchtlichen Reliquien-Export in den typischen hölzernen Ursula-Büsten. Nach Ansicht der meisten Historiker gibt es wenig bis keine belastbare historische Nachweise für die Hl. Drei Könige (im Matthäus-Evangelium "Weisen aus dem Morgenland" genannt) und damit auch nicht für deren Gebeine. Und es gibt keinerlei historischen Nachweise zur Legende von der Hl. Ursula. Wenn man bedenkt, dass es damit für die beiden Kölner touristischen "Spitzen-Reliquien" wenig bis keine Nachweise gibt, gab es in Köln im Mittelalter offenbar geniale - heute würde man sagen - Touristik-Marketing-Manager.

Die für die Entwicklung Kölns im Mittelalter so ungemein wichtigen Reliquien der Heiligen Drei Könige (Auslöser für den Bau des gotischen Kölner Dom und die Entwicklung als Pilgerstadt) sollen nach einer - historisch allerdings nicht belegten - Legende 1164 durch den romanischen Vorgänger des heutigen "Dreikünnije-Pötzje" (Dreikönigen-Pforte) direkt an St. Maria im Kapitol nach Köln und in den Kirchenraum Köln eingeführt worden sein. Das heutige Pötzje stammt aus um 1460.

Die erste christliche Gemeinde in Köln wird für das 2./3. Jahrhundert vermutet. Für 313 ist mit Maternus der erste Kölner Bischof verbrieft und bei den Ausgrabungen unter dem Kölner Dom sind Reste eines ersten Gebetsraums aus dem 4. Jahrhundert gefunden worden. Zur römischen Zeit dürfte es auch eine erste jüdische Gemeinde gegeben haben. Ein Erlass des römischen Kaisers Konstantin I von 321 mit der Erlaubnis, Juden in den Stadtrat aufzunehmen, gilt als Beleg für die Gründung der ältesten jüdischen Gemeinde nördlich der Alpen im 3./4. Jahrhundert in Köln.

Wichtige Geschichtsdaten zum Mittelalterlichen Köln (bis zur frühen Neuzeit)

Frühmittelalterliches fränkisches Köln von Mitte 5. Jhdt. bis Mitte 10. Jhdt.
  • Um 455 Das vormalige römische Köln wird von den ripuarischen Franken (Rheinfranken) besetzt und ab ca. 460 Residenzstadt deren Teilreiches (bis 507; erster König ab um 460/470: Sigibert von Köln). Das Praetorium (Palast des römischen Statthalters) wird nun als Aula regia (Königshof) genutzt.
  • 507 Der Merowinger Chlodwig I (König 482-511) wird in Köln zum König aller Franken ausgerufen; Köln fällt damit an das Frankenreich der Merowinger und 751 nach der Ablösung der Merowinger an das Frankenreich der Karolinger (damit endete auch die Residenzfunktion von Köln).
  • 795 Das Bistum Köln wird durch den Karolinger-König Karl den Großen (ab 800 Kaiser) zum Erzbistum erhoben; sein Berater Hildebold (Bischof seit ca. 787) wird erster Kölner Erzbischof Erzbischof (799-818). Zur Kirchenprovinz Köln gehörte im Mittelalter ein riesiges Gebiet mit dem Metropolitan- (Erz-) Bistum Köln und den Suffragan-Bistümern Lüttich (bis 1559), Utrecht (bis 1559), Münster, Osnabrück (bis 1995), Minden (bis um 1648) und Bremen (bis 848/870).
  • 843 Köln fällt mit der Aufteilung des Frankenreiches an das fränkische Mittelreich (Lotharingien) und 870 mit der neuerlichen Aufteilung an das Ostfranken-Reich und untersteht - mit einer kurzen Unterbrechung von 911-925 - seitdem innerhalb seiner Herzog- bzw. Fürstentümer und später als freie Reichsstadt den ostfränkischen Königen bzw. später den deutschen Königen und Kaisern.
  • 870 Der "Alte (karolingische) Dom" (Vorläufer des heutigen gotischen Doms) wird eingeweiht.
  • 925 Das Herzogtum Lothringen wird nach einer zwischenzeitlichen Veränderung wieder dem Ostfrankenreich (als Vorläufer des "Heiligen Römischen Reiches" und des späteren "Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation") zugeschlagen (unter Heinrich I, der als Vorbereiter des Deutschen Reiches gilt) ... Köln wird quasi deutsch. Damit beginnt der Aufstieg Kölns zur Handelsmetropole.
  • Spätestens ab um 940 erste mittelalterliche Stadterweiterung durch Einbeziehung der ehemaligen römischen Rheinvorstadt (nach neueren Ausgrabungsergebnissen vermutlich jedoch schon in spätrömischer Zeit /4. Jhdt. begonnen).
Kurfürstliches Köln von Mitte 10. Jhdt. bis Ende 13. Jhdt.
  • 953 Brun/Bruno I (Bruder des Königs/Kaisers Otto I) wird Erzbischof von Köln und im Auftrag des Königs Herzog von Lothringen. Bruno I ist somit in Köln als erster geistliches Oberhaupt seines Erzbistums und zugleich weltliches Oberhaupt seines Herzogtums und damit erster Stadtherr von Köln. Die Kölner Erzbischöfe erhalten damit eine faktisch absolutistische Macht, die im Kölner Stadtgebiet 1288 nach der Schlacht bei Worringen endet. In die Amtszeit Brunos (953-965) fallen wichtige Veränderungen des Stadtbildes und Kirchen-, Kloster- und Stiftsgründungen. Köln wurde einer der Herrschaftsaufenthalte im sog. Reisekönigstum. Die Nachfolger behalten im Rang eines Kurfürsten als weltliches Herrschaftsgebiet das Kurfürstentum Köln (Erzstift Köln, Kurköln) mit Teilen des vormaligen Herzogtums. Das Kurfürstentum Köln exisierte von Mitte des 10. Jhdt. bis 1803.
  • Ab 962 Köln gehört mit der Kaiserkrönung Otto I zum neu gebildeten Römisch-deutschen Kaiserreich (später" Heiliges Römisches Reich deutscher Nation"). Otto I (König ab 936, Kaiser 962 - 983) gilt als Begründer des Kaiserreichs; er hielt bis 965 mehrere Hoftage in Köln ab.
  • 969-976 Gero Erzbischof von Köln; er bringt Prinzessin Theophano als Braut Otto II von Byzanz nach Rom, stiftet das Gero-Kreuz im Dom.
  • 1027 Köln erhält das Münzrecht.
  • 1028 Der Kölner Erzbischof erhält das Krönungsrecht im Heiligen römischen Reich für die in Aachen zu krönenden Könige; 1031 wird er auf Dauer Erzkanzler für Italien.
  • Ca. 1030 Geburt des späteren Hl. Bruno von Köln (um 1030-1101), des Gründers der Grande Chartreuse (Große Kartause/Kartäuserordens (1084), im lateinischen Abendland bis in frühe Neuzeit der bekannteste Kölner.
  • 1056-1075 Anno II Erzbischof von Köln, eine Phase mit weiteren wichtigen Stadtausbauten und Kirchen- und Stifts-Bauten.
  • 1054 Krönung des Heinrich IV (bekannt u. a. durch den Gang nach Canossa 1077) durch den Kölner Erzbischof.
  • Ab dem 11. Jhdt. wird das Erzstift Köln (ab 14. Jhdt. Kurfürstentum Köln - "Kurköln") mehrfach gebietsmäßig ausgeweitet.
  • 1074 Kölner Bürger rebellieren erstmalig gegen die weltliche Macht des Erzbischofs (Anno II); der Aufstand wird zwar blutig niedergeschlagen, der Selbstverwaltungswille der Kölner Bürger bleibt aber erhalten.
  • 1106 Kaiser Heinrich IV verleiht den Kölnern im Zusammenhang mit dem Machtkampf um die Krone mit seinem Sohn, Heinrich V., das Befestigungsrecht (allerdings noch in Befestigungs-Hoheit des Erzbischofs). Es folgte die zweite Stadterweiterung mit einer ersten Umwallung.
  • 1114 Die sog. Sondergemeinden Kölns schließen sich zur Stadtgemeinde zusammen.
  • 1130 Beginn der schriftlichen Archivierung der Kölner Geschichte in "Schreinsbüchern" (erstes Archiv 1409).
  • 1135 Das Hauses der Bürger (Rathaus) wird erstmals erwähnt. Ein Neubau erfolgt in der 1. Hälfte des 14. Jhdt.
  • 23. Juli 1164 Überführung der Reliquien der "Heiligen Drei Könige" durch den Erzbischof und Reichskanzler Reinald von Dassel (Erzbischof 1159-1167) von Mailand nach Köln (eine Kriegsbeute des Kaisers Friedrich I Barbarossa nach der Einnahme des Widerstandszentrum Mailand 1158 und ein Geschenk an den Kölner EB), wodurch Köln einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Europas wird und in großer Anzahl Pilger und Könige zu Pilgerfahrten nach Köln anlockt. Die Gebeine der Hl. Drei Könige wurden nach einer - allerdings historisch nicht gesicherten - Legende an der Stelle des romanischen Vorgängers des heutigen "Drei-Künnije-Pötzje" an St. Maria im Kapitol nach Köln und in den Kirchenraum Kölns eingeführt und dann im alten karolingischen Dom untergebracht. Die Überführung dieser Reliquien war überdies der Auslöser des Baus des gotischen Kölner Doms an der Stelle des karolingischen Vorläuferdoms!
  • 1180 dritte mittelalterliche Stadterweiterung und Abschluss des mittelalterlichen Stadtumbaus sowie Beginn des Baus der mittelalterlichen Befestigungsanlage mit der großen Stadtmauer.
  • 1180-ca. 1260 Bau der mittelalterlichen Stadtmauer.
  • um 1190-1220 Erstellung des Schreins der Heiligen drei Könige, das bedeutendste und größte europäische Werk mittelalterlicher Goldschmiedekunst und der berühmteste Reliquien-Sarkophag der Welt, durch den Goldschmied Nikolaus von Verdun, den ersten namentlich bekannten Kölner Künstler.
  • Um 1200 bildet sich erstmalig ein Kölner Rat als Organ der Bürgerschaft neben der absolutistischen Macht des EB (eine größere Machtentfaltung des Rates folgt im Laufe des 13. und im 14. Jhdt.).
  • 15.08.1248 Grundsteinlegung für den gotischen Dom durch Erzbischof Konrad von Hochstaden (EB 1238-1261); Chorweihe 1322, Baustopp um 1530, Weiterbau und Fertigstellung 1842 bis 1880.
  • 1248 Gründung der ersten Ordensschule auf deutschem Boden ("Studium Generale") durch Albertus Magnus.
  • 1258 Großer Schied, eine Einigung nach langem Streit zwischen dem Erzbischof Konrad von Hochstaden und der Kölner Bürgerschaft, an den sich der EB zwar nur ein Jahr lang gehalten hat, der dennoch ein wichtiger Meilenstein zu einer Kölner Stadtverfassung war.
  • 1259 Verleihung des Stapelrechts an die Kölner Bürgerschaft durch den Erzbischof Konrad von Hochstaden. Dies hatte große Bedeutung für den Handelsplatz Köln, denn damit hatte Köln und die Kölner Kaufleute bis 1831 das Umschlags- und ein 3-tägiges Erstzugriffsrecht auf alle insbesondere auf dem Transportweg Rhein, aber auch auf dem Landweg - in Köln zwangsweise umzuladenden Waren.
  • 1262 Schlacht am Bayenturm der Kölner Bürger gegen den Erzbischof Engelbert II, der verliert und später vertrieben wird. Der Bayenturm (am Südende der Stadtmauer) wird zum Freiheitssymbol der Kölner Bürger.
  • 1268 Schlacht an der Ulrepforte; der Versuch des Erzbischofs, in die Stadt zurückzukommen, wird von den Kölner Bürgern verhindert.
Köln als Freie Reichsstadt ab Ende 13. Jhdt. (1288) bis in frühe Neuzeit (1794)

(In der frühen Neuzeit blieben in Köln die mittelalterlichen Strukturen zunächst weitgehendst erhalten, so dass Daten der frühen Neuzeit (ab um 1500) zum Teil auch dem Mittelalterlichen Köln zugeordnet werden können.)

  • 1288 Schlacht bei Worringen mit dem Sieg der Kölner Bürger an der Seite des Herzogs von Brabant über ein Bündnis mit u. a. dem Kölner Erzbischof, womit Köln de facto freie Reichsstadt wird, die ab 1390 auch zu Reichstagen eingeladen wird. Der Erzbischof (Siegfried von Westerburg, 1275-1297) verliert die weltliche Herrschaft über die Stadt (Residenzstädte des Kurfürstentums Kölns ("Kurköln") werden fortan Brühl und Bonn); die Macht in der Stadt Köln geht zunächst an Patrizierfamilien (die Geschlechter) über. Köln bleibt aber Sitz des Metropolitan-Bistums.
  • Ab dem 13. Jhdt. (1257 bis 1803) gehört der Erzbischof von Köln und Kurfürst von Kurköln zu den 7 bedeutendsten Fürsten, die den römisch-deutschen König (mit der Anwartschaft auf das römisch-deutsche Kaisertum) küren dürfen (Fürstbischöfe von Köln, Mainz und Trier, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Sachsen, Marktgraf von Brandenburg und König von Böhmen).
  • Mitte 14. bis 17. Jhdt. militärische Verbesserungen der Stadtmauer durch Vorfeldeinrichungen (2. Graben, Bollwerke und Bastionen).
  • 1334 Stifterurkunde für eine Kartause des Kartäuserordens (gegründet vom Hl. Bruno aus Köln) in der heutigen Kölner Südstadt, was dazu beitrug, das Köln eine starke Bastion des kath. Glaubens wurde.
  • 1350-1550 Zeit der Kölner Malerschule, eine herausragende Phase künstlerischen Schaffens in Köln (sozusagen Begründung der Kulturmetropole Köln).
  • 1367 Hansetag im neugestalteten Rathaus (noch ohne Teilnahme Kölns).
  • 1371 Weberschlacht, Ende der Macht der Weberzunft.
  • 1383 Erste Teilnahme Kölns an einem Hansetag der Städte-Hanse, einem Bund der Fernhandels-Städte (Handelstage seit 1356, letztes Treffen 1669).
  • 1388 Gründung der Kölner Universität (mit Prag, Wien und Heidelberg eine der ersten Unis im damaligen Reich und die erste von der Bürgerschaft begründete Uni in Deutschland). Zwischen 1798 und 1919 war die Uni Köln zwangsweise geschlossen.
  • 1396 Ende der oligarchischen Patrizier- (Geschlechter-) herrschaft; die 22 Gaffeln (Wahlgemeinschaften der Kaufleute und die Handwerkerzünfte, die sog. "Ämter") übernehmen die Macht. Die Rechte der Kölner Bürger ("Bürger" im damaligen Sinne, nicht im heutigen demokratischen Verständnis!) werden niedergelegt im sog. Verbundbrief vom 14.09.1396 (= erste städtische Verfassung!). Die Gaffeln übernehmen auch die Verteidigungsaufgaben an der Stadtmauer.
  • 1409 Die seit 1130 gesammelten Archivarien werden im Rathausturm untergebracht, der damit zum Vorläufer des Historischen Archivs der Stadt Köln wird.
  • 1424 Vertreibung der Juden aus Köln, die seit dem Anfang des 4 Jhdt. in Köln die größte jüdische Gemeinde in Deutschland hatten. Die Synagoge inmitten des Judenviertels neben dem Rathaus wurde in eine Ratskapelle umgewandelt. Das Ansiedlungsverbot für Juden endete erst 1794 mit der Besetzung durch die Franzosen.
  • Um 1442 Stephan Lochner fertigt sein Gemälde "Altar der Stadtpatrone", das als Spiegelbild für das Selbstbewusstsein der Freien Reichsstadt gilt und heute im Dom ausgestellt ist.
  • 1447 Eröffnung des Gürzenich, dem mittelalterlichen repräsentativen Festhaus.
  • 1474 Erstellung einer ersten Stadtansicht von Köln. 1531 folgt der erste monumentale Holzschnitt als Geschenk für den in Köln gewählten König Ferdinand, der in diesem Jahr mit Kaiser Karl V Köln besucht. Aus 1571 stammt der berühmte Mercatorplan mit eine Draufsicht auf die Stadt.
  • 1474 Köln erhält das Münzrecht.
  • 19.09.1475 Kaiser Friedrich III erhebt Köln mit dem Reichsstadtprivileg nun auch de jure zur Freien Reichsstadt ("des heiligen Reiches freie Stadt"); dieser Status bleibt bis zur Besetzung durch die Franzosen 1794 erhalten.
  • 1505 und 1512 Reichstage in Köln.
  • 1512/1513 Aufstand der Gaffeln gegen den Rat, Ergänzung des Verbundbriefes durch den Transfix-Brief.
  • Nach 1517 bleibt in Köln als einziger Reichsstadt und anders als z. B. in Nürnberg die Reformationsbewegung Martin Luthers ohne Wirkung; Köln bleibt katholisch.
  • 1531 Besuch des Kaisers Karl V (Kaiser 1530 - 1556).
  • 1553 Gründung der Kölner Börse.
  • Ab 1570 auf Plänen erstmals Darstellung des Kölner Bauers (als Symbol für die städtische Freiheit) und der Kölner Jungfrau (als Symbol für die Treue zum Reich), heute Figuren des Dreigestirns im Kölner Karneval.
  • 1578-1589 Der flämische Barock-Maler Peter Paul Rubens (*1577 Siegen - dorthin war seine Familie geflüchtet -, † 1640 Antwerpen) verbringt seine Kindheit in Köln. Die Familie wohnte in der damaligen Nobelstraße Sternengasse im Pfarrsprengel von St. Peter (Pfarrkirche neben dem damaligen Stift St. Cäcilien), die auch seine Taufkirche war und in der sein Vater begraben wurde.
  • 1583 - 1588 Kölnischer (Truchsessischer) Krieg zwischen Truppen des zum Protestantentum gewechselten und deshalb abgesetzten Kölner Erzbischofs/Kurfürsten Gebhardt Truchsess von Waldburg mit den siegreichen katholischen und bayerisch-spanischen Truppen seines Nachfolgers Ernst von Bayern. Hierbei kam es im Juli 1586 zu einem greulichen Gemetzel der spanischen Truppen gegen Privatleute im heutigen Stadtteil Köln-Junkerdorf. Der Sieg der katholischen Truppen verhinderte die Verwandlung von Kurköln in ein erbliches protestantisches Fürstentum. Der Nordwesten des Reiches blieb katholisch!
  • 1618 Grundsteinlegung für das letzte repräsentative Bauwerk im mittelalterlichen Köln, die Jesuitenkirche St. Maria Himmelfahrt (Weihe 1678).
  • 1618-1648 Köln bleibt im 30-jährigen Krieg neutral und wird auch nicht erobert. 1632 wird Köln im Zuge des Krieges von den Schweden bedroht (Besetzung des rrh. damals noch selbständigen Deutz).
  • 1686 Hinrichtung des Nikolaus Gülich (nach der letzten Rebellion gegen Misswirtschaft und Korruption im Kölner Rat).
  • Ende 17. u. 18. Jhdt. wirtschaftlicher Niedergang und Verfall der Reichsstadt.
  • 1709 Der Italiener Johann Maria Farina gründet in Köln die erste Parfümfabrik der Welt; damit beginnt die weltweite Verbreitung des "Kölnisch Wassers".
  • 1723-1761 Clemens August I von Bayern Erzbischof von Köln; er erbaut u.a. die Brühler Schlösser Augustusburg und Falkenlust.
  • 1794 Franz. Truppen besetzen Köln und beenden den Status Kölns als Freie Reichsstadt. Damit enden auch in Köln die mittelalterlichen Strukturen.

Weblinks

Kopie aus dem eigenen Internetauftritt "Köln - die Rheinmetropole und alte Römerstadt" des Verfassers, Themen-Seite: Mittelalterliches Köln (weitere Beiträge zum Thema "Kölner Geschichte" dort in den Themen-Seiten "Kölner Stadtgeschichte mit Kölns geschichtlichen Epochen", "Römisches Köln", "Neuzeitliches Köln", "Historische Persönlichkeiten der Kölner Stadtgeschichte", "Kölner Denkmäler" und "Kölner Bauwerke")

Einzelnachweise

  1. Zitate der Ausstellung "Renaissance am Rhein" 2010 im Landesmuseum Bonn
  2. Quelle: Fläche und Einwohner amtlichen Zahlen/Statistisches Jahrbuch 2012 der Stadt Köln - Einwohner ab Ende des Mittelalters! -. Hinweis: Alle Einwohnerzahlen - auch aus amtlichen Quellen - vor dem späten Mittelalter (vor 15. Jhdt.) sind als grobe Schätzungen anzusehen. Genauer sind hingegen die Flächenangaben.
  3. Länge der Stadtmauer 8 km: Angabe des Historischen Archivs der Stadt Köln, in Google gemessen ca. 8,4 km.

siehe auch

Portal:Geschichte