Das mittelalterliche Köln
Inhaltsverzeichnis |
Vorbemerkungen
Historisch und kulturell umfasst die Stadtgeschichte der Rheinmetropole Köln - grob gegliedert - drei Epochen:
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Das römische Köln ab 50 n. Chr. Status einer Colonia ab um 90 n. Chr. römische Provinzhauptstadt zeitweise Kaiseresidenz |
Das mittelalterliche Köln um 460 - 8. Jhdt. Residenzstadt der Franken bis 1288 Residenzstadt ab 1288 de facto und |
Das neuzeitliche Köln - Köln heute 1794 - 1814 französische Besatzung 1815 - 1918 Königreich Preußen aktuell größte Stadt in NRW und viertgrößte in der Bundesrepublik Deutschland Entwicklung der mittelalterlichen StadtKöln mit seinen mittelalterlichen Bezeichnungen Coellen oder Coelln (am Rhein) bzw. lateinisch meist Colonia Agrippina (oder auch Agrippina Nobilis Romanorum Colonia) war im Mittelalter lange Zeit flächen- und einwohnermäßig die größte Stadt nördlich der Alpen und bis Ende des späten Mittelalters die Stadt mit den meisten Einwohnern im Römisch-deutschen Reich. Die Stadt war - verbunden mit Stapelrecht und Münzrecht - eine der bedeutendsten Städte Europas und eine einflussreiche europäische Metropole ... heute würde man sagen eine Weltstadt. Die mittelalterliche Epoche Kölns lässt sich hinsichtlich ihrer politischen Entwicklung grob aufteilen in
Im Hochmittelalter war Köln mit über 200 ha (nach der Stadterweiterung 1106) und ca. 400 ha (nach der Stadterweiterung 1180) bis zum Ende des Spätmittelalters flächenmäßig eine der größten Städte Europas und die größte Stadt im Römisch-deutschen Reich. Auch in der Einwohnerentwicklung stand Köln im Reich um 1180 mit 20.000 - 30.000 Einwohnern und Anfang des 13. Jhdt. mit ca. 40.000 Einwohnern an der Spitze. Um 1600 waren Köln und Prag (und Brüssel?) mit jeweils ca. 40.000 Einwohnern im Reich die größten Städte. Eine rasantere Einwohnerentwicklung hatte nördlich der Alpen Paris mit ca. 20.000 Einwohnern um 1000, ca. 110.000 Einwohner um 1200 und 200.000 Einwohner um 1500. Das zum Reich gehörende Antwerpen entwickelte sich von ca. 30.000 Einwohnern Ende des Mittelalters auf 20.0000 Einwohnern um 1600. Köln war im Mittelalter Handelsmetropole, Kunstmetropole, Metropole der Kirchzenprovinz Köln und Erzbischofssitz, Freie Reichsstadt und Pilgerstadt und bis zur berühmten Schlacht bei Worringen Sitz des Kurfürsten. Sie war "zentraler Umschlagsplatz für Waren, Menschen und kulturelle Strömungen", "größte Handelsmetropole des deutschsprachigen Raums" und "mit 45.000 Einwohnern in der Epoche der Renaissance die größte Stadt im gesamten Reichsgebiet".[1] Das mittelalterliche Köln hatte das älteste Stadtsiegel Europas, das erste Rathaus und die erste bürgerliche Universität Deutschlands (gegründet 1388). Keine andere deutsche Stadt hat so früh - nämlich seit 1130 - und umfangreich ihre Geschichte schriftlich archiviert. 1130 begann man in Köln mit dem Schreinswesen, der mittelalterlichen Form der Archivierung von Liegenschaftsunterlagen. Mit Schreinen bezeichnete man die Truhen, in denen die ersten Archivalien aufbewahrt wurden. 1322 begann die systematische Archivierung. Das erste Archiv wurde 1409 im Rathausturm (Rentkammer) untergebracht. Das vermutlich um 19 v. Chr. von den Römern als Ubiersiedlung gegründete und 50 n. Chr. mit den Stadtrechten einer römischen Colonia versehene römische Köln entwickelte sich nach Abzug der Römer, bei dem viele der Romanen in der Stadt geblieben waren, Mitte des 5. Jhdt. in einem nahtlosen Übergang in eine frühmittelalterliche fränkische Stadt. Die Stadt war um 455 von den ripuarischen Franken eingenommen worden und gehörte ab 507 zum Frankenreich der Merowinger und später der Karolinger. Mit der zum Ende der fränkischen Periode im 8. Jhdt. einsetzenden Transformation von einer antiken bzw. frühmittelalterlichen Stadt in eine mittelalterliche Stadt entstanden drei Stadterweiterungen:
Einwohnerentwicklung Kölns bis zur frühen Neuzeit:[2]
Die wirtschaftliche Blütezeit Kölns (vor allem als Handelsstadt) begann im 10. Jhdt. und hatte ihren Höhepunkt im 12. - 15. Jhdt.. Im 11. Jhdt. waren Mailand, Köln und Venedig die ersten großen Handelsstädte und waren hierbei auch Schaltstellen des kulturellen Austauschs. Zwischen 1000 und 1550 war Köln ferner eine Kunstmetropole von Rang mit der Produktion in diversen Kunstgattungen und einem kulturellen Austausch mit Paris, Prag, Niederlande und Italien. Vor allem von ca. 1350 bis 1550 hatte Köln eine künstlerisch ungewöhnlich fruchtbare Epoche mit der renommierten mittelalterlichen Kölner Malerschule (Altkölner Malerei), mit der in Köln eine eigene Ausprägung der Kunst geschaffen worden ist und mit der Köln hinsichtlich Qualität und Quantität der Gemälde eine Spitzenstellung eingenommen hatte. Hiermit ist wohl auch der heutige Ruf Kölns als Kulturmetropole begründet worden. Die Maler arbeiteten überwiegend in der Schildergasse, wo auch die Schildermaler ansässig waren, also in der Straße, die aus dem römischen Decumanus Maximus hervorgegangen und heute die Einkaufsmeile Nr. 1 in Deutschland ist. Der bekannteste Maler der Altkölner Malerei war Stefan Lochner, der in der Straße In der Hohle lebte und arbeitete, die durch das Treppenhaus des Wallraf-Richartz-Museum nachgebildet worden ist. Daneben ragten heraus der Meister der Heiligen Veronika und Bartholomäus Bruyn. Im Hoch- und Spätmittelalter hatte Köln eine enorme wirtschaftliche und politische Machtstellung und war Drehscheibe des Fernhandels nördlich der Alpen. Hierbei wurde Köln durch die Lage am Rhein und im Zentrum von Fernstraßen begünstigt. Im 16. Jhdt. wurde dann Antwerpen zeitweise zur wichtigsten Handelsstadt Europas. Mit der Gründung der ersten Ordensschule auf deutschem Boden ("Studium Generale") 1248 durch Albertus Magnus und der 1388 gegründeten Universität zu Köln (eine der ältesten in Europa und die erste von der Bürgerschaft gegründete Universität Deutschlands) wurde Köln auch zu einem mittelalterlichen Zentrum der Wissenschaft. Die herausragenden Personen dieses Wissenschaftzentrum waren Albertus Magnus, Thomas von Aquin und Johannes Duns Scotus. Mit seiner einmaligen Sakrallandschaft und der unvergleichlich hohen Zahl an Reliquienschätzen wurde das mittelalterliche Köln zu einer bedeutenden Pilgerstadt. Die mittelalterliche Glanzzeit der Freien Reichsstadt endete im Zusammenhang mit dem Zerfall der Hanse und der dem 30jährigen Krieg (1608 - 1648) folgenden Wirren. So kam es Ende 17. und im 18. Jhdt. zum vorübergehenden wirtschaftlichen Niedergang und Verfall der Reichsstadt. Und auch die Spitzenstellung hinsichtlich der Einwohnerzahl konnte nicht gehalten werden. Die großen glanzvollen Zeiten Kölns waren zu dieser Zeit nicht mehr zu erkennen. Auch die Beurteilung der Besucher und unzähligen Pilger von Köln wechselte in dieser geschichtlichen Epoche. Karl der Große nannte die Stadt in seinem Testament "... eleganteste Braut Christi nach Rom." In ihrer Blütezeit wurde Köln in Reiseberichten als die "schönste Stadt im deutschen Lande" und außerdem wegen der unzähligen Kirchen und Kapellen und der bedeutenden Reliquien als das "Hillije (= Heilige) Coellen" gepriesen. Den Titel "Sancta" (= Heiliges ...) im Zusammenhang mit dem Stadtnamen war der Stadt im 12. Jhdt. als einer von 4 christlichen Metropolen (neben Rom, Byzanz und Jerusalem) verliehen worden ("Sancta Colonia Dei Gratia Romanae Ecclesiae Fidelis Filia" = Heiliges Köln von Gottes Gnaden, der römischen Kirche getreue Tochter). Zum mittelalterischen Köln schrieb der italienische Dichter, Gelehrte und Reisende Petrarca, der 1333 Köln besucht hatte: "Ich bewundere, wie groß im Barbarenland die Gesittung, wie schön der Anblick der Stadt, wie gesetzt die Haltung der Männer, wie schmuck das Gebaren der Frauen, wie überherrlich obschon unvollendet der Dom sind." Im 18. Jhdt. hingegen galt Köln bei vielen Besuchern als eine "abscheuliche Stadt". In der langen Geschichte Kölns entwickelte sich auch der Name der Stadt weiter. Die Römer nannten das um 19. v. Chr. gegründete Oppidum Ubiorum mit der Verleihung des Status einer Stadt römischen Rechts fortan Colonia Claudia Ara Agrippinensium (abgekürzt: CCAA) und später offenbar nur noch Agrippina. Die nachfolgenden Franken nannten sie wohl schlicht Colonia. Hieraus entwickelten sich im Mittelalter die Bezeichnungen Coellen und Coeln (am Rhein) bzw. lateinisch Colonia Agrippina sowie in der Neuzeit Cöln und ab 1919 der heutige Namen Köln (mundartlich: Kölle). Stadtmauer und BauwerkeSüdwest-Mauer am Sachsenring Denkmal "Schlacht an der Ulrepforte" an der Südwest-Mauer (s. Ziffer 5) Die von um 1180 bis ca. 1260 (Torburgen ab nach 1200) erstellte mittelalterliche Stadtmauer war inklusive der Rheinseite über 8 km lang (Angabe des Historischen Archivs der Stadt Köln, in Google gemessen ca. 8,4 km) und hatte Bestand bis 1881, nämlich bis im Zuge der Industrialisierung die Ausweitung auf Das neuzeitliche Köln voranschritt. Sie war die größte mittelalterliche Stadtbefestigung nördlich der Alpen. Die Mauer enthielt 12 große landseitige Torburgen und 52 Wehrtürme sowie etliche Pforten zum Rhein. Die Zahl 12 für die Stadttore war übrigens von den Kölner Bürgern bewusst gewählt worden, um sich so als damaliges mittelalterliches "hillije Köln" auf das himmlische Jerusalem beziehen zu können. Vor der Mauer befand sich ein 20 m breiter Graben, der in der zweiten Hälfte des 14. Jhdt. um einen weiteren Graben ergänzt worden ist. Aufgrund der waffentechnischen Entwicklung folgten im späten Mittelalter weitere Sicherungsbauwerke vor der Mauer: Mitte des 15. Jhdt. vorgelagerte Wehranlagen (Bollwerke mit Zwinger zwischen Torburgen und Bollwerken) und im 17. Jhdt. ein bastionärer Ring mit 25 pfeilförmigen Bastionen, die mittels sogenannten Kurtinen verbunden waren. Zuletzt wurden die Vorfeldeinrichtungen um 1820 von den Preußen, denen 1815 das Rheinland und Köln zugeteilt worden war, militärisch modernisiert. Die ursprünglich römische Hauptstraße durch die römischen Stadt (die heutige Hohe Straße) und deren Verlängerungen führte nun durch neue Stadttore im Norden und Süden (Eigelsteintorburg und Severinstorburg). Die Stadtmauer wurde nachts zuerst von Vertretern der Zünfte, später von den Kölner Stadtsoldaten bewacht. Ihren eigentlichen Zweck, eine Einnahme der Freien Reichsstadt zu verhindern, musste sie zum Glück nie ernsthaft erfüllen, denn die Reichsstadt Köln wurde - nach Wissen des Autors als einzige Stadt des Reichs - niemals erobert und besetzt. Auch im verheerenden 30-jährigen Krieg ist Köln nie angegriffen und eingenommen worden. Wer innerhalb der Stadtmauer wohnte, genoss die speziellen Rechte und Freiheiten der Stadt. Leider beschlossen dann die Kölner 1881 im Zuge der Ausweitung der mittelalterlichen Stadt den Abriss der Mauer - aus heutiger Sicht ein kultureller Frevel ohnegleichen und übrigens entgegen dem Rat von Sachverständigen aus Nürnberg, die ihrerseits ihre Mauer stehen ließen. Die Preußen, zu deren Gebiet Köln seit 1815 gehörte, sorgten dafür, dass wenigstens einige Stadttore erhalten geblieben sind! Die mittelalterliche Stadtmauer umfasste das mittelalterliche Köln mit
das heißt sie umfasste die heutige Kölner Altstadt ("Altstadt" hier als kommunaler Begriff gemeint; im heutigen Sprachgebrauch wird als Altstadt zumeist das Vergnügungsgebiet um Heumarkt / Alter Markt / Rheingarten verstanden). Der Verlauf der großen mittelalterlichen Stadtmauer ist also in der Trasse der heutigen kölntypischen halbkreisförmigen Ringstraße vom Ubierring als südliches Ende am Rhein bis zum Theodor-Heuss-Ring als nördliches Ende am Rhein noch zu erkennen. Die vorherige römische Stadtmauer umfasste das römische Köln und damit das Kerngebiet der späteren mittelalterlichen Stadt. Das römische Straßennetz und der Verlauf der späteren mittelalterlichen Mauer prägen noch heute die Struktur der Kölner Innenstadt. Von dieser mittelalterlichen Stadtmauer sind als Kultur-Denkmäler im Stadtbild erhalten:
(Diese Denkmäler werden leider teilweise vernachlässigt und nicht gepflegt, manches wird den Kölner Bürgern und den vielen Besuchern der Stadt nicht angemessen oder gar nicht präsentiert; siehe hierzu Mängelliste Kölner Denkmäler [1].)
Von der Residenz der Erzbischöfe, die seit 953 zugleich Kurfürsten von Kurköln und bis 1288 weltliche Herrscher von Köln waren, fehlt bis auf wenige - nicht zugängliche - Mauerteile jede Spur. Der erste Palast aus vermutlich dem 9. Jhdt. lag an der Südseite des alten karolingischen Doms. Um 1164 wurde ein neuer Palast an der Südseite des Domhofs errichtet. Nach der Schlacht bei Worringen 1288, nach der der Fürstbischof aus Köln vertrieben worden war, wurden die späteren großen Residenzen in Bonn und Brühl gebaut. Die HandelsstadtDas mittelalterliche Köln hatte das Privileg, einerseits aus den Traditionen einer Römerstadt und einem Bischofssitz (seit Anfang 4. Jhdt., seit 795 Erzbischofssitz) hervorgegangen zu sein, andererseits aufgrund seiner hervorragenden Verkehrs-Infrastruktur (insbesondere der Lage an einem großen Strom und im Zentrum von Fernstraßen) eine hervorragende Lage für den Fernhandel zu haben. Köln hatte also Merkmale aufzuweisen, aus denen sich - vor allem nach der Zuteilung des Herzogtums Lothringen (mit Köln) zum Ostfrankenreich im 9. Jhdt. und in Verbindung mit dem Stapelrecht (s. unten) - im Hoch- und Spät-Mittelalter die große wirtschaftliche Bedeutung als Handelsstadt ergab. In dieser Epoche hatte Köln eine enorme wirtschaftliche und politische Machtstellung und war Drehscheibe des Fernhandels nördlich der Alpen. Die hervorragende Verkehrs-Infrastruktur hat sich bis in's heutige moderne Köln erhalten. Köln war aber nicht nur Handelszentrum, sondern auch Produktionszentrum und handelte mit Alltagsgütern und Kunstschätzen. "Kölsch" oder "Kölnisch" wurde zu einem Markenbegriff (Zitat Museum Schnütgen, Ausstellung "Glanz und Größe des Mittelalters"). Im Mittelalter wurden die vom Meer über den Rhein herangebrachten Waren vom Schiffstyp Niederländer (geeignet für die große Wassertiefe des Niederrheins) auf die Oberländer (geeignet für die geringere Wassertiefe des Mittel- und Oberrheins) umgeladen. Für den Handelsplatz Köln hatte das der Stadt 1259 vom Erzbischof Konrad von Hochstaden verliehene Stapelrecht eine sehr große Bedeutung, denn damit mussten fortan alle, insbesondere auf dem Transportweg Rhein, aber auch auf dem Landweg transportierten Waren in Köln zwangsweise abgeladen („gestapelt") und anboten werden. Die Durchfahrt der Schiffe wurde durch ein Gitter im Rhein unterbunden. Köln und die Kölner Kaufleute hatten auf diese Waren das Umschlags- und ein 3-tägiges Erstzugriffsrecht. Damit wurde die Stellung der Stadt als Drehscheibe der europäischen Warenströme gefestigt. Das Stapelrecht wurde erst 1831 von den Preußen als Folge der Beschlüsse auf dem Wiener Kongress (1815) aufgehoben. Köln hatte im Mittelalter ferner eine eigene Längenmaßeinheit (Kölner Elle) und ab dem 12. Jhdt. eine eigene Gewichtsmaßeinheit (Kölner Mark). Die Kölner Mark war im Mittelalter die wichtigste deutsche Grundgewichtseinheit und wurde 1524 als Grundgewicht für die Münzprägung im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation festgelegt. Bis 1857 bezogen sich die Reichs- und viele Landesmünzordnungen auf die Kölner Mark. Politische Entwicklung
Im Zuge der fortschreitenden Zerfalls des Weströmischen Reiches zogen die Römer nach 400 aus Germanien ab. Köln wurde um 455 von den Franken besetzt und ab ca. 460 Residenzstadt des fränkischen Teilkönigreiches der ripuarischen Franken (Rheinfranken) (1. König ab um 460/470: Sigibert von Köln). Viele der Romanen (= Nachfolger der provinzionalen römischen Bürger) blieben aber hier wohnen. Die Franken behielten die römischen Verwaltungsstrukturen und auch Latein als Amtssprache bei. Die heutigen Kölner sind also - ethnisch gesehen - fränkischen Ursprungs mit großen Anteilen römischen Bluts. 507 fiel dieses fränkische Teilreich an das 482 durch Chlodwig I begründete vereinigte Frankenreich der Merowinger (Chlodwig soll in Köln als Herrscher aller Franken ausgerufen worden sein). Die Stadt erlebte als eine der ganz wenigen hiesigen römischen Städte einen nahtlosen Übergang von der antiken Stadt (siehe auch Das römische Köln) in eine frühmittelalterliche Stadt und ein frühmittelalterliches Handels- und kirchliches Zentrum. Mit dieser Kontinuität aller Strukturen in Köln unterscheidet sich die Stadt von fast allen anderen vergleichbaren deutschen Römerstädten inkl. Trier als Provinzhauptstadt Galliens und zeitweise spätrömische kaiserliche Residenzstadt und Mainz als eine der zwei Provinzhauptstädte Germaniens. Mit dieser Kontinuität begründet sich vermutlich auch der spätere Aufstieg des Mittelalterlichen Köln zu einer der mittelalterlichen Metropolen im Römisch-deutschen Reich und in Europa. Bei der Teilung des Frankenreichs nach dem Tod Chlodwig I fiel Köln an Austrien und gehörte später zum Frankenreich der Karolinger (zuletzt ab 870 bis 911 zum Ostfränkischen Reich der Karolinger). Mit dem Ende Karolingern endete im 8. Jhdt. aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Residenzfunktion von Köln. Ab 925 gehörte Köln mit dem Herzogtum Lothringen wieder zum Ostfränkischen Reich unter König Heinrich I (als Vorläufer des spätereren Deutschen Reichs) und ab 962 zum neuen Römischen Kaiserreich (ab 12. Jhdt. "Heiliges Reich", ab 13. Jhdt. "Heiliges Römisches Reich" und ab 15. Jhdt. - offiziell ab 1512 -"Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation").
795 wurde das Kölner Bistum zum Erzbistum erhoben. Unter dem Erzbischof Bruno I begann 953 der politische Aufstieg. Bruno wurde Erzbischof und zugleich Herzog von Lothringen und damit erster Stadtherr Kölns. Er war als erster geistliches und weltliches Oberhaupt mit einer praktisch absolutistischen Herrschaftsgewalt. Er war auch der erste Fürstbischof Deutschlands. Die Nachfolger Brunos behielten Teile des Herzogtums und waren zugleich Erzbischof und Kurfürst des Kürfürstentums Köln (Erzstift Köln/Kurköln). Dem Kölner Fürstbischof oblag seit dem 11. Jahrhundert das Krönungsrecht für die deutschen Könige und er gehörte ab dem 13. Jhdt. (bis 1803) zu den 7 bedeutendsten Kurfürsten, die den römisch-deutschen König (mit der Anwartschaft auf das römisch-deutsche Kaisertum) küren durften. Der Kölner Erzbischof und Kurfürst war zugleich Erzkanzler für Reichs-Italien im Römisch-deutschen Kaiserreich und damit einer der mächtigsten Männer im Reich. Und auch die kirchliche Bedeutung des Erzbistums Köln war bedeutend. Zur Kirchenprovinz Köln gehörte im Mittelalter ein riesiges Gebiet mit dem Metropolitan- (Erz-) Bistum Köln und den Suffragan-Bistümern Lüttich (bis 1559), Utrecht (bis 1559), Münster, Osnabrück (bis 1995), Minden (bis um 1648) und Bremen (bis 848/870). 1074 rebellierten die Kölner erstmals - allerdings noch erfolglos - gegen die weltliche Macht des Erzbischofs. 1106 nahmen die Kölner Bürger im Machtkampf um die Krone zwischen Heinrich IV. und Heinrich V. Partei für den erstgenannten ein und organisierten erstmals eine Art Bürger-Selbstbestimmung. Heinrich IV verlieh den Kölner Bürgern in diesem Zusammenhang das Befestigungsrecht - ein wichtiger erster Schritt zur Entwicklung der Stadt hin zur Freien Reichsstadt -, allerdings verblieb die formale Befestigungshoheit noch beim Erzbischof und weltlichen Herrscher. 1262 begehrten die Kölner Patrizier bei der Erstürmung des Bayenturms erneut gegen den Erzbischof auf, der 1268 aus der Stadt vertrieben wurde. Ein Versuch der Rückkehr scheiterte am 14. Oktober 1268 bei der Schlacht an der Ulrepforte.
Am 5. Juni 1288 kam es schließlich zur berühmten und für die Kölner Bürger und die weitere Entwicklung der mittelalterlichen Metropole ungemein bedeutsamen Schlacht bei Worringen, eine der größten deutschen Ritterschlachten des Mittelalters. Die Kölner Bürger kämpften im Limburger Erbfolgestreit, von dem Köln eigentlich gar nicht betroffen war, siegreich an der Seite des Herzogs von Brabant und seiner Verbündeten (neben den Kölner Bürgern unter anderem die Grafen von Berg, Mark und Jülich) gegen den Herzog von Luxemburg und seiner Verbündeten (u. a. mit den Truppen des Kölner Erzbischofs/Kurfürsten). Der Kölner Fürstbischof verlor nach dieser Niederlage seine weltliche Herrschaft über Köln und musste seine Kölner Residenz aufgeben. Er behielt nur die geistliche Macht in seinem Erzbistum. Köln war damit de facto freie Reichsstadt. 1475 erhielt dann Köln auch de jure das Privileg einer freien Reichsstadt, das bis zur Besetzung durch die Truppen Napoleons im Jahre 1794 unangetastet blieb. Das Hauptmerkmal der "Reichsstädte" im Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation) war deren rechtliche Unabhängigkeit gegenüber den regionalen Herrschern (Reichsfürsten). Die Reichsstädte hatten den Status der Reichsunmittelbarkeit und waren direkt und nur dem Kaiser untertan, an den sie ihre Steuern direkt abführten, dem sie Heerfolge zu leisten hatten und von dem sie eine eigene weitgehend unabhängige Gerichtsbarkeit erhielten. Damit unterschieden sich die Reichsstädte von den Landstädten, die einem Landesherrn untertan waren. "Freie Städte" waren Bischofsstädte, die in etwa die gleichen Privilegien hatten wie die Reichsstädte, aber gegenüber dem Kaiser eine gewisse Autonomie besaßen, z. B. außer bei Kreuzzügen keine Heerfolge zu leisten hatten. Ab dem 15. Jhdt. wurden diese beiden Statusformen unter dem Begriff "Freie und Reichsstädte" - umgangssprachlich "Freie Reichsstädte" genannt - zusammengefasst. Einige Städte hatten beide Statusformen in sich vereint. Die Anzahl der Freien Reichsstädte änderte sich im Laufe der Zeit; maximal waren es 83. Die weltliche Macht in Köln wurde ab 1288 zunächst von den Patriziern, den sogenannten Geschlechtern, ausgeübt. Es handelte sich also um eine Oligarchie (= Herrschaft von kleinen Führungsgruppen). In den entstehenden neuen Führungsorganen waren nur Vertreter der wichtigsten Patrizierfamilien versammelt. Eine der mächtigsten Patrizierfamilien in jener Zeit waren die Overstolzen. Nach mehreren innerstädtischen Konflikten übernahmen dann ab 1396 auf der Basis des sogenannten "Verbundbriefs", der ersten Kölner Stadt-Verfassung, die 22 Gaffeln (Wahlgemeinschaften der Kaufleute und Handwerker für den Rat, davon 15 Gaffeln einer oder mehrerer Handwerkerzünfte, den sog. "Ämtern") die politische Macht in Köln. Die Macht lag nunmehr im wesentlichen beim neuen einheitlichen Stadtrat, für den allerdings nur die in Köln geborenen Bürger und solche Zugereiste, die das Bürgerrecht erworben hatten, wählbar waren. "Bürger" im Sinne des Verbundbriefs waren aber nur die in den 22 Gaffeln organisierten selbständigen Kaufleute und Handwerker (in der Regel auch nur männliche), so dass die oligarchische Herrschaft der Geschlechter in eine - allerdings wesentlich breitere - Oligarchie der Gaffeln wechselte. Der Verbundbrief blieb mit einigen Modifizierungen bis 1794, also fast 400 Jahre lang, als Kölner Verfassung gültig. Allerdings blieb es in diesem Zeitraum nicht friedlich in Köln. So gab es 1481/1482 einen Aufruhr der Gaffeln gegen den Stadtrat wegen erheblicher Preiserhöhungen, der jedoch niedergeschlagen wurde. 1512/1513 gab es einen erfolgreichen Aufstand der Gaffeln wegen fortgesetzter Rechtsbrüche des Rats, der zu Ergänzungen des Verbundbriefs, dem sog. Transfix-Brief, führte. Anfang der 1680iger Jahre gab es einen Aufstand einer Opposition unter Führung des Nikolaus Gülich wegen Misswirtschaft und Korruption des Rates, der zunächst viel Unterstützung fand, letztendlich aber 1686 mit der Ermordung des Nikolaus Gülich endete. Der Abschied vom Mittelalter dauerte im "heiligen Köln" länger als anderswo und war im Grunde genommen erst mit Napoleons Einzug 1794 abgeschlossen. Mittelalterliche Herrschaftsstrukturen in Köln zusammengefasst
Politische Zugehörigkeiten Kölns in seiner über 2000-jährigen Geschichte im Überblick
Das Kurfürstentum Köln existierte von Mitte des 10. Jhdt. bis 1803 (ab 1475 aber ohne das Stadtgebiet Kölns). Ein Hinweis für engagierte Kölner im modernen Wettstreit mit der rheinischen Nachbarstadt: Ein Nebenergebnis der Schlacht von Worringen war, dass der mitsiegreiche Graf von Berg 1288 dem damals noch kleinen unbedeutenden Anwesen Düsseldorf die Stadtrechte verlieh, anders gesagt dass die mitsiegreichen Kölner Bürger indirekt an der Gründung Düsseldorfs beteiligt waren. Die PilgerstadtVon großer religiöser und zugleich wirtschaftlicher Bedeutung war, dass Köln mit 500.000 Pilgern pro Jahr zusammen mit Rom und dem nordspanischen Santiago de Compostella eine der 3 bedeutendsten Pilgerstädte in jener Zeit war und dabei auch als einer der zentralen Sammelpunkte der Pilgerwege zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostella ("Jakobsweg") fungierte. Das mittelalterliche "hillije Köln" war aufgrund
und der damit verbundenen religiösen Bedeutung ein großer Anziehungspunkt für die Pilger. Pilger aus ganz Europa suchten vor allem die "Spitzen-Reliquien" als Heiligtümer auf. Der mittelalterliche Reliquienschatz Kölns in Kirchen und Kapellen soll mehr als 800 Heilige enthalten haben und war nach Rom der größte aller europäischen Wallfahrtsorte. Vor allem die Reliquien der Heiligen Drei Könige gehörten für unzählige einfache Pilger und auch für die europäischen gekrönten Häupter und Fürsten zum Pflichtprogramm. Die Könige und Fürsten hatten wohl über die damals an der Ostseite des Doms gelegene Kirche St. Maria ad gradus (Baubeginn vor 1075) den Dom betreten bzw. verlassen. Eine Art Pilgerweg war auch die sogenannte Krönungsstraße von Aachen nach Köln (innerhalb Kölns die heutige Aachener Straße), über die im Mittelalter die im Aachener Dom gekrönten deutschen Könige nach Köln zu den Reliquien der Heiligen Drei Könige pilgerten. Die unerschöpfliche Quelle der Ursula-Reliquien führte außerdem im Hoch-Mittelalter zu einem beträchtlichen Reliquien-Export in den typischen hölzernen Ursula-Büsten. Wenn man bedenkt, dass es nach Ansicht der meisten Historiker wenig belastbare historische Nachweise für die Heiligen Drei Könige (im Matthäus-Evangelium noch "Weisen aus dem Morgenland" genannt) und deren Gebeine und keinerlei historischen Nachweise zur Legende von der Hl. Ursula und damit für die beiden Kölner touristischen "Spitzen-Reliquien" gibt, gab es in Köln im Mittelalter offenbar geniale - heute würde man sagen - Touristik-Marketing-Experten. Die für die Entwicklung Kölns im Mittelalter so ungemein wichtigen Reliquien der Heiligen Drei Könige (Auslöser für den Bau des gotischen Kölner Dom und die Entwicklung als Pilgerstadt) sollen nach einer - historisch allerdings nicht belegten - Legende 1164 durch den romanischen Vorgänger des heutigen "Dreikünnije-Pötzje" (Dreikönigen-Pforte) direkt an St. Maria im Kapitol nach Köln und in den Kirchenraum Köln eingeführt worden sein. Das heutige Pötzje stammt aus um 1460. Die erste christliche Gemeinde in Köln wird für das 2./3. Jahrhundert vermutet. Für 313 ist mit Maternus der erste Kölner Bischof verbrieft und bei den Ausgrabungen unter dem Kölner Dom sind Reste eines ersten Gebetsraums aus dem 4. Jahrhundert gefunden worden. Zur römischen Zeit dürfte es auch eine erste jüdische Gemeinde gegeben haben. Ein Erlass des römischen Kaisers Konstantin I von 321 mit der Erlaubnis, Juden in den Stadtrat aufzunehmen, gilt als Beleg für die Gründung der ältesten jüdischen Gemeinde nördlich der Alpen im 3./4. Jahrhundert in Köln. Wichtige Geschichtsdaten zum Mittelalterlichen Köln (bis zur frühen Neuzeit)
WeblinksKopie aus dem eigenen Internetauftritt "Köln - die Rheinmetropole und alte Römerstadt" des Verfassers, Themen-Seite: Mittelalterliches Köln (weitere Beiträge zum Thema "Kölner Geschichte" dort in den Themen-Seiten "Köln: Stadtprofil und Kölner Geschichte", "Römisches Köln", "Neuzeitliches Köln", "Historische Kölner Persönlichkeiten", "Kölner Denkmäler" und "Kölner Bauwerke") Einzelnachweise
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